Weiterbildung in Peer Counseling

Gruppenfoto von der bifos-Mitgliederversammlung (c) bifos e.V.
Gruppenfoto von der bifos-Mitgliederversammlung (c) bifos e.V.

Kassel (kobinet) Im September startet die 13. Peer Counseling Weiterbildung des Bildungs- und Forschungsinstituts zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos). Aufgrund der vielen Bewerbungen musste der bifos e.V. bedauerlicherweise vielen interessierten behinderten Bewerberinnen und Bewerbern eine Absage erteilen bzw. sie auf die folgenden Weiterbildungen vertrösten, erfuhr kobinet vom Veranstalter. Erfreulich sei jedoch, dass sich diesmal seit längerer Zeit wieder gehörlose Bewerberinnen und Bewerber zur Peer Counseling Weiterbildung angemeldet haben, die bis Ende Oktober 2016 stattfinden wird.

Peer Counseling (Beratung von behinderten Menschen für behinderte Menschen) wird häufig als die pädagogische Methode der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung behinderter Menschen bezeichnet. In der UN-Behindertenrechtskonvention wird in Artikel 24 und Artikel 26 auf diese spezielle Förderung verwiesen. Der Begriff „Peer Support“ findet sich jedoch nicht in der offiziellen deutschen Übersetzung, sondern ist in der rechtsverbindlichen englischen Version zu finden. Vor allem in den Zentren für selbstbestimmtes Leben (ZsL) wird diese Methode professionell eingesetzt.

In den ZsL wird auch nicht nach bestimmten gesetzlichen Grundlagen oder einer bestimmten medizinischen Schädigung beraten. In den ZsL wird behinderungsübergreifend und ganzheitlich beraten. Uwe Frevert, Sprecher des Trainer- und Trainerinnen-Teams: „Es ist schon erstaunlich, dass gerade Rehabilitationseinrichtungen und Berufsbildungswerke der Behindertenhilfe kaum behinderte Arbeitnehmer vorweisen können. So arbeiten z.B. im ZsL Kassel ca. 50 Schwerbehinderte in der Geschäftsführung, Regie, Verwaltung und Hauswirtschaft. Offensichtlich glauben die klassischen Einrichtungen der Behindertenhilfe nicht an den Erfolg ihrer eigenen Leistung zur Rehabilitation.“

Wie in den vorangegangenen Weiterbildungen des bifos e.V. ist Ziel, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu ermöglichen, in Zukunft ihre Behinderung konstruktiv in der Beratung von Menschen mit Behinderungen für Menschen mit Behinderungen einzubringen. Vom 17. bis 18. Juli 2015 fand in Kassel die Mitgliederversammlung des bifos e.V. statt. Dabei wurde auch eine Qualitätssicherung des Peer Counseling auf den Weg gebracht, die für ein unabhängiges Beratungsangebot unverzichtbar ist.

Peer Counseling-TrainerInnen trafen sich in Uder

Gruppenbild der Peer-Counseling Trainer/innen
Bild vom Peer Counseling Trainer*innen-Treffen in Uder 
Bild: Matthias Rösch

Uder (kobinet) Die aktuellen 12 Trainer*innen der bifos Peer Counseling Weiterbildung haben sich am Sonntag und Montag in Uder getroffen, um sich über Lerninhalte der einzelnen Blöcke auszutauschen und diese weiterzuentwickeln. Natürlich stand das Thema Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) auch auf der Tagesordnung, da u.a. hierfür die Teilnehmer*innen weitergebildet werden und Peer Counseling einer der wichtigsten Bestandteile in der Beratung der geförderten EUTB-Beratungsstellen ist, wie Jenny Bießmann berichtet.

Des Weiteren wurde bei dem Treffen die 16., 17. und 18. Peer Counseling Weiterbildung geplant, die das Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) mittlerweile durchführt, und über die Zertifikatsvergabe der aktuellen Weiterbildung gesprochen.

Bei dem Treffen der Trainer*innen war zum letzten Mal Uwe Frevert aus Kassel dabei. Er hat von Anfang an mitgewirkt, als bereits vor 25 Jahren die ersten Peer Counseling Weiterbildungen vom bifos konzipiert und durchgeführt wurden. Seitdem hat er die vielen angehenden Peer Counselor*innen mit seinem Wissen und seiner Erfahrung aus der Selbstbestimmt Leben Bewegung und in der Beratung zur persönlichen Assistenz begleitet. "Herzlichen Dank dafür. Uwe Frevert wird als Zeitzeuge der Selbstbestimmt Leben Bewegung von Menschen mit Behinderungen weiterhin der bifos-Weiterbildung zur Verfügung stehen", erklärte Jenny Bießmann. Gerade im Hinblick auf die neu gestarteten ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatungsstellen (EUTB) sei es wichtig, dass behinderte Menschen im Peer Counseling gezielt geschult werden, denn vielfältige Erfahrungen der Beraterinnen und derjenigen, die beraten wurden, zeigen, wie wichtig die Methode des Peer Counselings für die Selbstbestimmung und Teilhabe behinderter Menschen ist.