Sprung zum Inhalt Sprung zur Navigation

Disability Studies in Deutschland:
Behinderung neu denken!

vom 18. Juli - 1. August 2003 in Bremen

Dokumentation Weiterbildung 2. Woche

Übersicht

Persönliche Zukunftsplanung - wie geht das?
Unterstützung von Menschen mit Lernschwierigkeiten - Carolin Emrich, Stefan Doose, Susanne Göbel, Stefan Göthling, Josef Ströbl u.a. ; 28.07.03 - Interview mit Susanne Göbel


Mediendemokratie für Menschen mit Behinderungen - Sabine Kleczewski

Antidiskriminierungs- und Menschenrechte für behinderte Menschen nach nationalem, europäischem und internationalem Recht - Prof. Dr. Theresia Degener, Ev. Fachhochschule Bochum

"Geschlecht: Behindert - besonderes Merkmal: Frau" - Bärbel Mickler


28.07.03 - Interview mit Susanne Göbel

Persönliche Zukunftsplanung - wie geht das? Unterstützung von Menschen mit Lernschwierigkeiten - Carolin Emrich, Stefan Doose, Susanne Göbel, Stefan Göthling, Josef Ströbl u.a.

Workshopmaterialie auf einem TischOttmar Miles-Paul: Was bieten Sie hier auf der Sommeruni an?
Susanne Göbel: Wir machen eine Weitebildung zum Thema "Persönliche Zukunftsplanung", einmal eben für Leute, die eine Zukunftsplanung für sich machen wollen, aber auch als Methode, d.h. für Berater und Beraterinnen, die lernen möchten, wie sie das in ihrer Arbeit nutzen können.

Ottmar Miles-Paul: Persönliche Zukunftsplanung, was ist das genau?
Susanne Göbel: Persönliche Zukunftsplanung ist eine Idee, die aus den USA stammt. Sie wird dort für Menschen genutzt, die an Schnittstellen des Lebens sind, z.B. am Übergang Schule - Beruf oder die von zu Hause ausziehen und für sich schauen möchten, was eigentlich ihre Wünsche und Ziele sind und wie sie diese erreichen können.

Ottmar Miles-Paul: Das wird dann konkret geplant?
Susanne Göbel: Richtig, das wird dann konkret geplant. Jemand sagt z.B., dass er sich wünscht, dass er in einer Wohnung im Grünen leben möchte, die einen kleinen Garten haben soll. Dann wird überlegt, mit dem Unterstützungskreis zusammen, wie kann der Wunsch dieser Person auch Wirklichkeit werden. Welche Schritte sind notwendig, welche Personen und welche Unterstützungen sind wichtig.

Ottmar Miles-Paul: Was kann man von so einem einwöchigen Kurs erwarten?
Susanne Göbel: Wir erwarten, dass die TeilnehmerInnen einmal die Idee näher kennen lernen, der Funke überspringt, dass Betroffene dabei sind und für sich konkrete Ziele oder Wünsche haben und vielleicht mit einer Zukunftsplanung zurück nach Hause gehen. Und auch, dass wir Leute finden, die Lust haben, als Moderatorinnen, diese Idee weiter zu tragen, und umzusetzen.

Ottmar Miles-Paul: Was sind Ihre ersten Eindrücke von dieser Weiterbildung?
Susanne Göbel: Es ist eine super Gruppe. Sie ist sehr gemischt, von allem was an Bedürfnissen und Interessen da ist, auch an verschiedenen Behinderungen. Für uns heißt das, dass wir die Materialien, die wir da haben, auch auf verschiedene Leute einstellen müssen. Für eine Person, die blind ist, ist es natürlich nicht so hilfreich, wenn wir die ganze Zeit Bilder malen, also müssen wir uns überlegen, wie wir das machen können. Für Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen wir überlegen, wie wir die Sachen leicht darstellen können, so dass sie es verstehen und auch etwas davon haben. Es ist eine Gruppe, die wirklich Lust hat mitzumachen und die wirklich etwas lernen will.

zurück zum Seitenanfang


"Geschlecht: Behindert - besonderes Merkmal: Frau" - Bärbel Mickler

Interview mit Bärbel Mickler

Bärbel MicklerOttmar Miles-Paul: Welche Weiterbildung bieten Sie an der Sommeruni an?
Bärbel Micker: Ich biete hier vormittags eine Weiterbildung an zum Thema "Geschlecht behindert- besonderes Merkmal Frau", also etwas zu den Situationen von Mädchen und Frauen mit Behinderungen. mit dem Schwerpunkt Sozialisation, Sexualität, Partnerschaft, sexualisierte Gewalt und Prävention. Wir sind eine kleine, aber sehr intensive Gruppe von Frauen, die im Alter von Anfang zwanzig bis Ende vierzig sind und mir persönlich ist der Nachwuchs in der Bewegung auch immer sehr wichtig, von daher freue ich mich auch immer sehr, wenn Frauen kommen, die Interesse an der Beratung von Mädchen und Frauen haben und damit anfangen wollen. Wir haben auch zwei Teilnehmerinnen aus Österreich dabei und ich habe den Eindruck, dass da eine Menge Bedarf ist. Ich bin auch immer erstaunt, wie viele Frauen dann doch noch ein Interesse haben an einem persönlichen Erfahrungsaustausch und das finde ich in dieser Gruppe auch sehr schön und es berührt mich auch, dass das so eine Mischung ist, aus sehr intensivem Erfahrungsaustausch und theoretischem Input.

Ottmar Miles-Paul: Der Frauenanteil überwiegt ja eindeutig bei der Sommeruni, was könnten wir denn machen, damit sich Frauen hier noch wohler fühlen?
Bärbel Mickler: Das ist eine gute Frage, also ich fühle mich hier sehr wohl. Ich finde es sehr wichtig, dass es an der Sommeruni auch Seminare gibt, wo Frauenthemen Raum haben. Aber ansonsten, um sich wohler zu fühlen, ich weiß es gerade gar nicht und bin hier sehr zufrieden.

Ottmar Miles-Paul: Was sind zur Zeit die heißen Themen im Bereich behinderte Frauen?
Bärbel Mickler: Wir haben heute noch einmal festgestellt, dass wir für die Selbstbestimmung behinderter Frauen und Mädchen die Notwendigkeit sehen, dass auch das soziale Umfeld, also auch die nichtbehinderten Menschen, noch aktiver einbezogen werden müssen. Also mit eigenen Angeboten, damit die Unterstützung nicht nur so eine Augenwischerei ist, damit auch die Nichtbehinderten unterstützt werden, Unterstützung zu leisten. Im Bereich der Sexualität scheint es für Frauen ganz andere Bedarfe zu geben, als irgendwelche Prostituierten zu finanzieren, wie es Männer wie Lothar Sandford und Matthias Vernaldi ja fordern. Die Bedürfnisse von Frauen sind hier eben andere, aber wie die sind, da sind wir gerade noch dran. Wir haben gerade festgestellt, so wie es jetzt ist, ist es noch nicht befriedigend.

zurück zum Seitenanfang


Gisela Hermes, Swantje Köbsell und Ottmar Miles-Paul
für das Vorbereitungsteam

ottmar.miles-paul@bifos.de


zurück zum Seitenanfang