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Persönliche Zukunftsplanung - wie geht das?
Unterstützung von Menschen mit Lernschwierigkeiten - Carolin Emrich, Stefan Doose, Susanne Göbel, Stefan Göthling, Josef Ströbl u.a. ; 28.07.03 - Interview mit Susanne Göbel
Mediendemokratie für Menschen mit Behinderungen - Sabine Kleczewski
Antidiskriminierungs- und Menschenrechte für behinderte Menschen nach
nationalem, europäischem und internationalem Recht - Prof. Dr. Theresia
Degener, Ev. Fachhochschule Bochum
"Geschlecht: Behindert - besonderes Merkmal: Frau" - Bärbel Mickler
Ottmar Miles-Paul: Was bieten Sie hier auf der Sommeruni an?
Susanne Göbel: Wir machen eine Weitebildung zum Thema "Persönliche
Zukunftsplanung", einmal eben für Leute, die eine Zukunftsplanung für sich
machen wollen, aber auch als Methode, d.h. für Berater und Beraterinnen, die
lernen möchten, wie sie das in ihrer Arbeit nutzen können.
Ottmar Miles-Paul: Persönliche Zukunftsplanung, was ist das genau?
Susanne Göbel: Persönliche Zukunftsplanung ist eine Idee, die aus den USA
stammt. Sie wird dort für Menschen genutzt, die an Schnittstellen des Lebens
sind, z.B. am Übergang Schule - Beruf oder die von zu Hause ausziehen und
für sich schauen möchten, was eigentlich ihre Wünsche und Ziele sind und wie
sie diese erreichen können.
Ottmar Miles-Paul: Das wird dann konkret geplant?
Susanne Göbel: Richtig, das wird dann konkret geplant. Jemand sagt z.B.,
dass er sich wünscht, dass er in einer Wohnung im Grünen leben möchte, die
einen kleinen Garten haben soll. Dann wird überlegt, mit dem
Unterstützungskreis zusammen, wie kann der Wunsch dieser Person auch
Wirklichkeit werden. Welche Schritte sind notwendig, welche Personen und
welche Unterstützungen sind wichtig.
Ottmar Miles-Paul: Was kann man von so einem einwöchigen Kurs erwarten?
Susanne Göbel: Wir erwarten, dass die TeilnehmerInnen einmal die Idee näher
kennen lernen, der Funke überspringt, dass Betroffene dabei sind und für
sich konkrete Ziele oder Wünsche haben und vielleicht mit einer
Zukunftsplanung zurück nach Hause gehen. Und auch, dass wir Leute finden,
die Lust haben, als Moderatorinnen, diese Idee weiter zu tragen, und
umzusetzen.
Ottmar Miles-Paul: Was sind Ihre ersten Eindrücke von dieser Weiterbildung?
Susanne Göbel: Es ist eine super Gruppe. Sie ist sehr gemischt, von allem
was an Bedürfnissen und Interessen da ist, auch an verschiedenen
Behinderungen. Für uns heißt das, dass wir die Materialien, die wir da
haben, auch auf verschiedene Leute einstellen müssen. Für eine Person, die
blind ist, ist es natürlich nicht so hilfreich, wenn wir die ganze Zeit
Bilder malen, also müssen wir uns überlegen, wie wir das machen können. Für
Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen wir überlegen, wie wir die Sachen
leicht darstellen können, so dass sie es verstehen und auch etwas davon
haben. Es ist eine Gruppe, die wirklich Lust hat mitzumachen und die
wirklich etwas lernen will.
Interview mit Bärbel Mickler
Ottmar Miles-Paul: Welche Weiterbildung bieten Sie an der Sommeruni an?
Bärbel Micker: Ich biete hier vormittags eine Weiterbildung an zum Thema
"Geschlecht behindert- besonderes Merkmal Frau", also etwas zu den
Situationen von Mädchen und Frauen mit Behinderungen. mit dem Schwerpunkt
Sozialisation, Sexualität, Partnerschaft, sexualisierte Gewalt und
Prävention. Wir sind eine kleine, aber sehr intensive Gruppe von Frauen, die
im Alter von Anfang zwanzig bis Ende vierzig sind und mir persönlich ist der
Nachwuchs in der Bewegung auch immer sehr wichtig, von daher freue ich mich
auch immer sehr, wenn Frauen kommen, die Interesse an der Beratung von
Mädchen und Frauen haben und damit anfangen wollen. Wir haben auch zwei
Teilnehmerinnen aus Österreich dabei und ich habe den Eindruck, dass da eine
Menge Bedarf ist. Ich bin auch immer erstaunt, wie viele Frauen dann doch
noch ein Interesse haben an einem persönlichen Erfahrungsaustausch und das
finde ich in dieser Gruppe auch sehr schön und es berührt mich auch, dass
das so eine Mischung ist, aus sehr intensivem Erfahrungsaustausch und
theoretischem Input.
Ottmar Miles-Paul: Der Frauenanteil überwiegt ja eindeutig bei der
Sommeruni, was könnten wir denn machen, damit sich Frauen hier noch wohler
fühlen?
Bärbel Mickler: Das ist eine gute Frage, also ich fühle mich hier sehr wohl.
Ich finde es sehr wichtig, dass es an der Sommeruni auch Seminare gibt, wo
Frauenthemen Raum haben. Aber ansonsten, um sich wohler zu fühlen, ich weiß
es gerade gar nicht und bin hier sehr zufrieden.
Ottmar Miles-Paul: Was sind zur Zeit die heißen Themen im Bereich behinderte
Frauen?
Bärbel Mickler: Wir haben heute noch einmal festgestellt, dass wir für die
Selbstbestimmung behinderter Frauen und Mädchen die Notwendigkeit sehen,
dass auch das soziale Umfeld, also auch die nichtbehinderten Menschen, noch
aktiver einbezogen werden müssen. Also mit eigenen Angeboten, damit die
Unterstützung nicht nur so eine Augenwischerei ist, damit auch die
Nichtbehinderten unterstützt werden, Unterstützung zu leisten. Im Bereich
der Sexualität scheint es für Frauen ganz andere Bedarfe zu geben, als
irgendwelche Prostituierten zu finanzieren, wie es Männer wie Lothar
Sandford und Matthias Vernaldi ja fordern. Die Bedürfnisse von Frauen sind
hier eben andere, aber wie die sind, da sind wir gerade noch dran. Wir haben
gerade festgestellt, so wie es jetzt ist, ist es noch nicht befriedigend.
Gisela Hermes, Swantje Köbsell und Ottmar Miles-Paul
für das Vorbereitungsteam
ottmar.miles-paul@bifos.de